Mittelformat on a Budget – das war mein Ziel. Holga, Diana und ihre Schwestern stehen bereits seit Jahrzehnten bei mir im Schrank und ich finde es irrwitzig, welchen Preis Lomo dafür aufruft. Materialwert im Cent Bereich, aber für Hipster mal verhundertfacht: Deswegen gilt mein Tipp all denen, die sich für den schmalen Taler in die Welt der Mittelformatfotografie wagen wollen: geht auf willhaben, ebay Kleinanzeigen etc.und sucht dort nach Lomo. Mit ein wenig Glück findet ihr dort eine Diana F für 20 Euro. Und der Preis ist ok im Gegensatz zu den 79 Euro für nen neuen Plastekasten. Das somit gesparte Geld könnt ihr in Filme investieren und die Ausarbeitung kostet ja auch nochmal ein paar Euro.

Lubitel als Überraschungsei

Allerdings konnte keine der bereits vorhandenen Damen meine Lust befriedigen und so machte ich mich auf die Suche. Nach der Entscheidung, eine Twin Lense Reflex Kamera zu suchen, habe ich mich nach kurzem Preisvergleich für eine alte Lubitel aus dem Netz entschlossen. Die Verkäuferin war supernett und der Preis von 20 Euro – da muss man nicht meckern. Paar Tage später ist das gute Stück dann auch bei mir im Office angekommen. Als ich einem Kollegen erklären wollte, wie Rollfilm eingelegt wird, öffnete ich die Rückseite der Kamera und sah statt eines leeren Lichtschachtes das Ilford Logo. Sofort habe ich den Deckel wieder zugeklappt: in der Kamera liegt ein Ilford FP4…doch keiner wusste seit wann. Ich habe die Verkäuferin kontaktiert und sie erlaubte mir, den Film zu entwickeln (zumindest wollte ich es versuchen, denn Zeit und ein offener Lichtschacht könnten meine Pläne ja durchkreuzt haben).

Erst mal den Film entwickeln

Ich habe den Film dann in Rodinal 1+25 für 9 Minuten entwickelt und siehe da: Bilder auf dem Negativstreifen. Das Papier des Films war bereits so spröde, dass ich nicht daran geglaubt habe, dass auf dem Film noch irgendwas zu finden sein könnte.
Den Fotos nach zu urteilen würde ich auf 70er Jahre schätzen. Die Verkäuferin konnte die Vermutung unterstreichen, da sie meinte, dass die Kamera den Eltern ihres Mannes gehörten.
Zwei schöne Fotos von dem Film möchte ich euch nicht vorenthalten (wie gesagt: die Fotos wurden nicht von mir mit der Lubitel gemacht, sondern ich habe den Film nur entwickelt)

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Ich bitte, den schlechten Scan zu verzeihen. ich habe leider keinen 120er Scanner und deswegen lege ich den Negativstreifen auf mein Tablet mit weißem Hintergrund und fotografiere die Bilder dann mit dem Handy ab und invertiere sie in Photoshop.

Meinem ersten Versuch mit der Lubitel und Fomapan 200 in Rodinal als 60 minütige Halb-Standentwicklung (Agitation für die ersten 30 Sekunden, und 4x Kippen nach 30 Minuten) entstammen diese beiden Bilder:

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Fazit: Ich bin mit der Qualität der Fotos total zufrieden. Nur eins der zwölf Bilder ist nichts geworden, weil ich mich “vermessen” habe. Aber das kann schon mal vorkommen, wenn die Kamera keinen Belichtungsmesser hat (benutze dafür die App “myLightMeter”). Der “Waste Level Finder” ist gewöhnungsbedürftig. Ich bekomme damit zwar mein Objekt ins Bild, aber an Linienführung etc. ist hier (noch) nicht zu denken. Durch ihre leichte Bauweise spürt man die Kamera fast nicht. Durch den leisen Verschluss und da die Kamera vor dem Bauch hängt, ist sie auch sehr diskret. Für den Preis ist das sicher die beste Kamera, die ich mir seit Langem gekauft habe, der Fomapan 200 kostet rund 4 Euro (wer in Masse kauft, spart) und die Entwicklung hat mich bis auf etwas Zeit auch nur ein paar Cent an Rodinal und Fixierer gekostet. Der Fomapan ist derzeit in jeder meiner Kameras (35mm und Mittelformat) und ich teste ihn gerade ausgiebig. Der Preis ist unschlagbar und an den Fotos hab ich auch nichts auszusetzen (was im Scan flau aussieht, kann in der Nachbearbeitung noch rausgeholt werden).
Zur Lubitel selbst: ich werde sicherlich öfter mit ihr arbeiten. Sie soll ja auch leicht für 35mm Film adaptierbar sein. Deswegen spricht nichts dagegen, sie bei einem Spaziergang immer mit dabei zu haben. Vielleicht verwende ich sie sogar mal bei einem Shooting, als kleinen Pausenfüller. We will see!

 

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