Im dritten Teil der Beitragsreihe zu Neuromarketing widmen wir uns heute der Wahrnehmung. Wie bereits angesprochen, besteht die Aufgabe des Gehirns darin, möglichst viele Reize zu verarbeiten. Da dies unter den meisten Umständen nicht möglich ist, setzt der menschliche Organismus in bestimmten Fällen einen Filter ein. Wir sprechen von „selektiver Wahrnehmung“.

Ein Individuum nimmt nur Reize wahr, für die es auch zugänglich ist, die es für interessant und von Bedeutung hält. Unbedeutend erscheinende Informationen werden nicht bewusst wahrgenommen, sondern ausgeblendet.

Ein sehr interessantes wissenschaftliches Beispiel für die Funktion selektiver Wahrnehmung möchte ich im Folgenden kurz beschreiben:
Eine Gruppe von Probanden wird gebeten, sich ein Video anzusehen, in dem sechs Menschen Basketbälle hin und her passen. Drei tragen schwarze Oberteile, die anderen drei tragen weiße Oberteile. Die Probanden sind nun angehalten im Kopf die Pässe des “weißen Teams” mitzuzählen (und ich lade jeden Leser dazu ein, dies auch zu tun):

Und? Habt ihr richtig mitgezählt?
Was mich aber mehr interessiert:
Habt ihr den Gorilla im Video gesehen?

Tatsächlich ist es so, dass dieses Experiment an der Universität in Harvard durchgeführt wurde. Lediglich 50% der Probanden haben den Gorilla im Video wahrgenommen. Seht euch das Video ruhig noch einmal an: es dauert ohne Inserts ca. 30 Sekunden. Der Gorilla kommt von rechts ins Bild, bleibt in der Bildmitte stehen, trommelt sich auf die Brust und wandert seelenruhig aus dem Bild in einem Zeitraum von 9 Sekunden – also ca. 1/3 der Videozeit war der Gorilla im Bild.

Die Aufgaben und den Nutzen für Werbung und Marketing gehen wir in einem der nächsten Teile auf die Spur

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