Seit mehr als 10 Jahren beschäftige ich mich inzwischen mit der Digitalfotografie. Ich hab zwar die Jahre davor schon “geknipst”, aber erst während meiner Zeit als Journalist, habe ich auch die Freude an der Fotografie entdeckt. Fotoreportagen, Konzertfotografie und Portraits und hin und wieder Auftragsarbeiten – ich habe es geliebt (nicht umsonst ist Fotografie ein eigener Punkt dieser Webseite). Doch inzwischen hat sich der Fokus auf Bewegtbild gerichtet.

Nur um es direkt festzuhalten: Ich habe lange keinerlei Interesse an der Filmerei gehabt, wie man in diesem Blogartikel noch gut nachlesen kann. Aber es hat sich in der letzten Dekade eben eine gewisse Menge an Ausrüstung angesammelt und wie der Zufall es so will, verfügt jede meiner Spiegelreflexkameras auch über eine Videofunktion und auf diese switched man schnell mal, wenn es verlangt wird. Meine FH Zeiten und die Zeiten von miniDV sind lange vorbei und meine Kenntnis entsprechend eingerostet, aber das Interesse treibt mich momentan an, mich im Filmsektor zu verbessern.

One Man Show

Die größte Problematik beim übenden Filmemacher liegt darin, dass er eine One Man Show ist: Licht, Ton, Bild – alles in der Verantwortung einer Person. Je nach Art des Auftrags kann das schon eine stressige Angelegenheit sein, besonders, wenn man mit kleinem Budget auskommen muss. In diesem Artikel möchte ich mich mal dem “Ton” widmen. Die anderen Parts kommen peu a peu.

Shotgun Mikro auf der Kamera

Die eingebauten Mikros der Canon DSLRS, die ich nutze, sind einfach Müll und deshalb habe ich auf jeder Kamera ein Shotgun Mikrofon montiert (meistens direkt auf dem Blitzschuh), um so eine bessere Audioqualität zu erzielen.
Ein Wegbegleiter seit 2012 ist hier das Sennheiser MKE400. Seltsamerweise kommt es mir so vor, als ob das Mikro immer teurer werden würde. Gesunken ist der Preis in den 6 Jahren auf jeden Fall nicht. Ich habe mir das Mikrofon damals aus einem einfachen Grund gekauft: Ich war zu dem Zeitpunkt PR-Consultant für Sennheiser Österreich und bei uns in der Agentur befand sich ein Musterexemplar, das ich für einen guten Preis erhalten habe. Gespeist wird das Mikro mit einer AAA Batterie. Der Formfaktor sagt mir extrem zu. Es ist nicht so bullig, wie manche Rode Mikrofone, sondern es fällt kaum auf. Das Mikro ist fest verbunden mit dem “Shock-Mount” – sollte da also mal was kaputt gehen, dann gibt es kein Ersatzteil dazu (ich muss aber gestehen, dass das Sennheiser MKE400 bei mir nie zart behandelt wurde und es noch immer super in Schuss ist). Was mich aber ein wenig stört: Der normale Schaumgummi-Schutz ist bereits 2 Mal bei einem Festivaleinsatz verloren gegangen, ohne dass es den Usern aufgefallen wäre (ja, ich hab mein Equipment in andere Hände gegeben). Hier kann man sich aber mit einem Kabelbinder Abhilfe schaffen, damit der Schaumgummi nicht mehr flöten geht (Anm.: der Windschutz kostet rund 15 Euro – die kann man für andere Dinge besser ausgeben).

Neuester Zugang zu meiner Mikrofonsammlung ist das Movo VXR10. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass es optisch ein Duplikat des Rode VideoMicro ist. Wer sich ein wenig im Netz umsieht, wird schnell feststellen, dass es die gleichen Mikrotypen mit Aufdrucken von Boya, Walimex auch gibt. Im Grunde: Same shit – different assholes.
Dieses Mikro hat keine eigene Stromversorgung. Entsprechend gering ist der Aufnahmepegel des Mikros auch. Der Formfaktor des Mikros ist der Wahnsinn. Es ist vielleicht ein wenig größer als ein Lippenstift. Das Mikro kann vom Shock-Mount abgenommen werden. Dieser wirkt doch etwas steif, wenn man bedenkt, dass er Erschütterungen entgegenwirken soll. Bisher hatte ich das Mikrofon nur ein Mal im Einsatz und das nur auf meiner Zweitkamera, um eine Tonspur zu haben, die mir den Schnitt mit Kamera 1 erleichtert. Ich denke aber, dass es aufgrund der Bauweise ideal für Vlogger ist, die die Kamera nicht viel weiter als eine Armlänge von sich weg tragen. Im Lieferumfang enthalten ist übrigens ein kleines Säckchen, ein Kabel für die Nutzung mit dem Smartphone, ein Kabel für die Nutzung mit DSLR und eine Dead Cat.

Kabelgebundenes Mikro für Interviews

In Vorbereitung auf das Rock in Vienna 2016 habe ich mir das Tonor Pro Stereo zugelegt. Und auch hier kann man erst mal nicht über das Preis-/Leistungsverhältnis meckern. Das Mikrofon kommt in einer mit Kunststoff überzogenen Kartonschatulle, in der sich das Mikrofon, der Windschutz, ein XLR auf Miniklinke Kabel und zwei Mikrofonhalterung (eine mit Blitzschuhadapter und normalem Stativgewinde und eine Halterung mit einem großen Gewinde für normale Mikrofonstative). Das Kabel ist lang genug, um damit Interviewsituationen zu meistern. Im Vorfeld empfehle ich aber, dass sich der Interviewer mit der Charakteristik des Mikrofons auseinandersetzt, damit es bei der Aufnahme zu keinen Übersteuerungen oder dergleichen kommt. Ich habe es zwar schon mal direkt auf der Kamera platziert benutzt, aber da ich mich dabei mit der Kamera bewegt habe und das Mikrofon nicht ordentlich gedämpft ist (und das beiliegende Kabel ist für diesen Einsatzzweck auch viel zu lang), würde ich davon lieber abraten. Anders sieht es aus, wenn die Kamera ruhig auf einem Stativ steht. Was ich sehr gerne mit diesem Mikro mache: Ich montiere es auf einem Galgen und bringe es so nahe wie möglich an die Person oder die Quelle heran, die ich aufnehmen möchte. Gerade soweit, dass das Mikro nicht im Bild zu sehen ist. Auch hier vermute ich, dass es eine Fabrik gibt, die tausende dieser Mikros produziert, die dann mit verschiedenen Firmenlogos beschriftet werden. Etwas Recherche kann also beim Sparen helfen. Was ich noch sagen muss: das Mikrofon hat teilweise ein starkes Eigenrauschen, was sich in der Postproduction allerdings recht gut entfernen lässt.

Mit dem Lavalier direkt an der Person

Die Mikrofone, die direkt in die Kamera gehen, haben wir damit abgehandelt. Seit kurzer Zeit verwende ich für Vorträge oder Situationen, in denen sich die “mikrofonierte” Person bewegt sehr gerne Lavaliermikrofone. Sie lassen sich leicht am Hemd oder am Kragen einer Person festklippen, das Kabel verschwindet unter der Kleidung und das Mikro wird direkt in einen Audiorecorder (in vielen Fällen tut es ein Handy in der “Arschtasche” mit Diktierapp genauso gut). Ich verwende derzeit das Lavalier von Blusmart . Da man die meisten Smartphones nicht ordentlich einpegeln kann, empfiehlt sich auch hier ein kurzer Sprechtest und eine kontrolle des Materials, bevor es mit dem Dreh losgeht. (falls jemand eine App für iOS oder Android kennt, wo man den Pegel ordentlich einstellen kann: bitte hinterlasse einen Kommentar).

In den nächsten Tagen möchte ich euch die Mikros gerne in einem Video vorstellen, damit ihr euch selbst ein Bild bzw. einen Ton davon machen könnt.

Für alle, die gern mit dem Smartphone fotografieren oder filmen, möchte ich in meinem nächsten Blogeintrag die App Filmic-Pro kurz vorstellen.

 

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