Ungefähr so klingen die schmackhaften Webinareinladungen, die ich derzeit mit der Regelmäßigkeit der Wiener Linien, in meine Timelines gespült bekomme. Coachings soweit das Auge reicht (In diesem Fall bin ich das erste Mal im Leben für meine schwere Kurzsichtigkeit dankbar). Ich habe im letzten Monat zwei dieser Webinare besucht und dabei einige Parallelen entdeckt. Wie sie aufgebaut sind und wie sie dir zu Erfolg verhelfen, um dein eigenes Coaching Seminar zu erstellen, verrate ich dir jetzt.

Zeichne dein Webinar im Vorhinein auf

Wieso solltest du mehrmals täglich eine Präsentation vor Klein- und Mittelunternehmern halten, wenn es doch einfacher geht: Zeichne dein Webinar einfach auf. So kannst du mehrmals täglich eine Gruppe an Teilnehmern abspeisen. Wichtig dabei ist, dass dir anfangs einige Leute helfen, den Chat zu beleben. Hierbei kommt es auf zwei Punkte an:

  • im Chat müssen kluge Fragen gestellt werden, die dich in der Q&A Session nach dem Webinar als Meister deines Fachs glänzen lassen
  • Es müssen einige Kommentare im Chat vorhanden sein, mit denen der Vortragende interagiert, um einen Dialog  fingieren zu können. Das erweckt den Anschein, dass der Vortragende just in diesem Moment das Webinar hält
  • Stelle Fragen, wie “Wer von euch hat Probleme damit, neue Kunden zu gewinnen?” “Für welchen Unternehmensgegenstand wollt ihr meine super Erfolgstipps einsetzen?”, damit daraufhin eine Reihe von “Ich, ich ich” gefolgt von einigen repräsentativen Berufszweigen im Chat erscheinen.

Zeige deinen eigenen Erfolg

Gleich am Anfang ist wichtig, den Webinarteilnehmern zu zeigen, dass du auch ein “Klotzer” warst. Einer von ihnen, der den ganzen Tag geackert hat, um sein Business am Laufen zu halten, bis der Twist kam: Durch 3 simple Punkte hast du es geschafft, dein Business auf Pinterest/Instagram/Facebook etc. automatisiert zu positionieren. Zeige also Fotos von dir, wo du Sport treibst und wo man dich mit deinem Partner sieht, denn: seit du diese 3 simplen Tricks befolgst, hast du endlich wieder Zeit und dein Business läuft auch eine Zeit lang ganz ohne dich. Wenn du eine ganz abgebrühte Sau bist, zeigst du den Teilnehmern, dass du sogar Geld verdienst, während du am Strand auf den Malediven hockst.

Verzichte auf Quellennennung

Wer Quellen wissen will, der vertraut dir nicht. Und wer dir nicht vertraut, hat es auch nicht verdient, deine 3 SIMPLEN PUNKTE ZUM ERFOLG zu erfahren. Also schmeiße Zahlen in den Raum, die deiner Zielgruppe mögliche Zweifel sofort aus den Gesichtern blasen. Ist es nicht schon zu spät, um sein Business über Instagram/Facebook/Pinterest zu pushen? Nein, denn GERADE JETZT ist der richtige Zeitpunkt. Ist Pinterest nicht hauptsächlich für Frauen und die Inhalte sind Rezepte und Basteltipps? Nein, denn die Anzahl der männlichen Nutzer aus der Bauindustrie ist in den letzten Jahr signifikant gestiegen und somit auch die Chancen für IHR Unternehmen. Im Optimalfall hast du auch ein Beispiel parat, wie einer deiner Kunden profitiert, seit er deine DREI SIMPLEN PUNKTE beherzigt.

Mache ein Angebot, dass sie nicht ablehnen können

Es sind jetzt rund 40 Minuten vergangen und das Publikum hängt dir förmlich an den Lippen. So sehr, dass sie nicht einmal gemerkt haben, dass du ihnen fast eine dreiviertel Stunde Lebenszeit mit Binsenweisheiten gestohlen hast. Jetzt sind sie überzeugt, dass deine 3 SIMPLEN PUNKTE auch für sie funktionieren. Allerdings haben sie in deinem Webinar kein Wissen mitgenommen, um diese Punkte allein umzusetzen. Jetzt kommt dein Zeitpunkt: biete ihnen an, dass sie in deiner “Masterclass” (oder such dir einen anderen entsprechend griffigen Namen aus) von dir auf dem Weg zum Erfolg betreut werden und zwar durch Stunden an Videomaterial, seitenweise Whitepaper – einfach deinen gesamten Pool des Wissens. Verpasse diesen Inhalten einen hohen dreistelligen bis niedrigen vierstelligen Wert und reduziere dieses Ergebnis und mache daraus deinen Preis für die Masterclass. Exklusiv für die Webinarteilnehmer. Wieso? Weil du die fucking Mutter Teresa des Online Marketings bist und du willst, dass Menschen von deinem Wissen profitieren.

Vergiss nicht zum Abschluss noch genug Social Proof zu bringen: Stockfotos und schmissige Zitate von vermeintlichen Kunden, die ihre Erfolgsstory erzählen und deinen Expertenstatus unterstützen (die Existenz dieser Kunden zu belegen ist – wie die Quellennennung – nur Zeitverschwendung).


Aber jetzt mal Butter bei die Fische

Diese Verasche nimmt immer weiter zu. Instagram und Facebook werden momentan mit derartigen Angeboten überschwemmt. Natürlich ist an einem kostenlosen Webinar absolut nichts auszusetzen. Die Inhalte sind aber wirklich dürftig und enden immer in einem kostenpflichtigen Angebot. Es wird Unternehmern suggeriert, dass SIE das Wissen vermittelt bekommen, um mit Online Marketing Tools umzugehen und damit erfolgreich zu sein. Also in 60 Minuten die Expertise von Menschen, die seit Jahren im Marketing arbeiten, Entwicklungen miterlebt und mitgeprägt haben.

Natürlich steckt in Online Marketing ein großes Potential für Unternehmen. Auch für kleine Unternehmen. Allerdings ist es wichtig, sich JEDES Unternehmen und JEDE BRANCHE zu betrachten und individuell zu beraten. Diese “Masterclass” Angebote können diese individuelle Betreuung allerdings nicht anbieten.

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